Schmerzmythen im Fakten-Check

„Was stimmt, was stimmt nicht? Die gängigsten Schmerzmythen im Fakten-Check“ – unter diesem Motto hat Sanofi Österreich eine Umfrage unter mehr als 300 Personen durchgeführt.*

Die Auswertung der anonymen Erhebung zeigt deutliche Wissensdefizite auf, was eine adäquate Schmerzversorgung betrifft. Die Ergebnisse weisen auch darauf hin, dass sowohl hinsichtlich der Aufklärung über Schmerz als eigenständiges Krankheitsbild als auch hinsichtlich der Behandlungsstrategien dringender Handlungsbedarf besteht.

Die Umfrageergebnisse im Detail:

„Es ist ganz normal, nach einer Operation Schmerzen zu haben“

  • 74% der Befragten finden es normal, nach einer Operation Schmerzen zu haben

FAKTENCHECK: STIMMT NICHT!

Etwa die Hälfte aller Patienten haben nach einer Operation Schmerzen – zum Teil starke. Diese Tatsache wird häufig unterschätzt. Zudem berichtet etwa die Hälfte der Patienten erst dann über ihre Schmerzen, wenn sie unerträglich werden. Die Folge ist, dass Schmerzen häufig zu spät und nicht ausreichend behandelt werden. Das Ergebnis einer unzureichenden schmerztherapeutischen Versorgung kann neben längerem Spitalsaufenthalt, Komplikationen und einer späteren Genesung die Schmerz-Chronifizierung, also die Entwicklung dauerhafter Schmerzen, sein.1

„Frauen sind schmerzempfindlicher als Männer“

  • 69% der Befragten stimmen nicht zu, dass Frauen schmerzempfindlicher sind als Männer

FAKTENCHECK: STIMMT!

Das subjektive Schmerzempfinden ist von vielen Faktoren abhängig. Neben der Genausstattung, individuellen Erfahrungen und der Gehirnstruktur spielt auch das Geschlecht eine wichtige Rolle: Frauen sind grundsätzlich schmerzempfindlicher als Männer. Eine entscheidende Rolle beim Schmerzempfinden von Frauen spielt der Hormonspiegel. In der Phase des Menstruationszyklus, in der das meiste Östrogen ins Blut abgegeben wird, werden nach einem Schmerzreiz auch mehr Endorphine ausgeschüttet und es sind mehr Opioidrezeptoren vorhanden. Daher sind Frauen an diesem Punkt ihres Zyklus am wenigsten empfindlich für Schmerzen.2

„Schmerzmedikamente sollte man erst dann nehmen, wenn man es nicht mehr anders aushält“

  • 70% der Befragten sind der Meinung, dass man Schmerzmedikamente erst dann nehmen sollte, wenn man es nicht mehr anders aushält

FAKTENCHECK: STIMMT NICHT!

Akute Schmerzen sollten frühzeitig und angemessen behandelt werden, um eine dauerhafte (chronische) Schmerzentwicklung zu vermeiden.3 Oft sind chronische Schmerzen die Folge falsch behandelter oder unbehandelter akuter Schmerzen. Damit erst gar kein Schmerzgedächtnis entstehen kann, sollten akute Schmerzen rechtzeitig und zielgerichtet behandelt werden. Mittelfristig sollten so wenige Medikamente wie möglich, aber so viel wie nötig eingesetzt werden.4

„Wenn man starke Schmerzmedikamente zu früh nimmt, verlieren sie ihre Wirkung“

  • 57% der Befragten sind der Meinung, dass starke Schmerzmedikamente ihre Wirkung verlieren, wenn man sie zu früh nimmt

FAKTENCHECK: STIMMT NICHT!

Die Therapie akuter Schmerzen sollte grundsätzlich frühzeitig und angemessen erfolgen, wie das Beispiel der Behandlung von Schmerzen nach Operationen zeigt: Um das häufige Auftreten chronischer Schmerzen nach Operationen zu vermeiden, spielt der Faktor Zeit eine wesentliche Rolle. Denn die Zeit, die ein Patient am ersten Tag nach der Operation unter starken Schmerzen leidet, stellt einen Risikofaktor für die Entwicklung chronischer Schmerzen dar. Anders gesagt: Um zu verhindern, dass Schmerzen chronisch werden, ist das Ausmaß der Schmerzlinderung am ersten Tag nach der Operation von entscheidender Bedeutung.5

„Bei starken Schmerzen ist der Hausarzt der wichtigste Ansprechpartner“

  • 78% der Befragten sind der Ansicht, dass der Hausarzt bei starken Schmerzen der wichtigste Ansprechpartner ist

FAKTENCHECK: STIMMT NUR BEDINGT!

Die erste Anlaufadresse bei Schmerzen sollte der Hausarzt sein. Dieser wird Befunde einholen lassen und gegebenenfalls an einen Facharzt überweisen, der idealerweise ein Schmerzdiplom haben sollte. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, eine Schmerzambulanz aufzusuchen. Den besten Erfolg verspricht eine multimodale Schmerztherapie, also die Behandlung der Schmerzen durch ein multidisziplinäres Team, im Rahmen derer die medikamentöse Schmerztherapie durch weitere, individuell auf das Krankheitsbild Betroffener abgestimmte Methoden ergänzt wird. Dazu gehören etwa Kraft-, Ausdauer- und Koordinationstraining zur Stärkung der Muskeln und des gesamten Körpers, Schmerzbewältigungs-, Entspannungs- und Bewegungstraining, Ernährungsberatung und die Vermittlung von Freude am Leben, gepaart mit Physiotherapie und mit Unterstützung der Psychologie.6 Eine Auflistung aller Schmerzambulanzen nach Bundesland finden Sie auf der Website der Allianz Chronischer Schmerz: https://www.schmerz-allianz.at/schmerz-einrichtungen/

„Ältere Menschen haben ein reduzierteres Schmerzempfinden als Jüngere“

  • 39% der Befragten stimmen nicht zu, dass ältere Menschen ein reduziertes Schmerzempfinden haben als jüngere Menschen

FAKTENCHECK: STIMMT NUR BEDINGT!

Mit zunehmendem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit, an Schmerzen zu leiden. Doch ob Menschen im Alter ein verändertes Schmerzempfinden haben, ist umstritten. Bei der Schmerzbekämpfung allerdings benötigen Menschen in alten oft eine andere Behandlung als in jungen Jahren. Der Grund: Der Stoffwechsel verlangsamt sich und das verändert auch den Bedarf an schmerzlindernden Medikamenten. Bei Schmerzmitteln reicht oft eine geringere Wirkstoffmenge aus, um die Beschwerden genauso gut und lange zu lindern wie bei jungen Erwachsenen. Ein weiterer Grund sind die oft zusätzlich auftretenden chronischen Erkrankungen älterer Menschen, wie Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Die Erkrankungen selbst oder die zur Behandlung dieser Krankheiten erforderlichen Medikamente haben einen Einfluss auf die Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Schmerzmitteln. Wichtig ist daher, bei der Wahl des Schmerzmittels darauf zu achten, dass es sich mit den übrigen Arzneimitteln verträgt.7

„Wenn akute Schmerzen nicht therapiert werden, kommt es zu einer Chronifizierung der Schmerzen“

  • 75% der Befragten stimmen zu, dass akute Schmerzen zu chronischen Schmerzen werden, wenn sie nicht rechtzeitig therapiert werden

FAKTENCHECK: STIMMT NUR BEDINGT!

Zu einer Chronifizierung von Schmerzen kann es aus vielen unterschiedlichen Gründen kommen, oft jedoch ist die Ursache, dass Schmerzen über eine längere Zeit unbehandelt bleiben oder ungenügend behandelt werden. Schmerz, der über eine erwartete normale Heilungszeit hinaus weiterbesteht, bzw. länger als 12 Wochen andauert oder immer wiederkehrt, ist nach Definition der Österreichischen Schmerzgesellschaft (ÖSG) ein „chronischer Schmerz“.8

„Die sogenannte `Schmerzkrankheit´, bei der Patienten über Schmerzen klagen, obwohl keine körperliche Ursache dafür vorliegt, ist ein typisches Symptom von Hypochondern, also Menschen, die in Wahrheit gesund sind und nur glauben, krank zu sein“

  • 41% der Befragten stimmen zu, dass die Schmerzkrankheit ein typisches Symptom von Hypochondern ist

FAKTENCHECK: STIMMT NICHT!

Schmerzen haben eine für den Körper wichtige und gegebenenfalls überlebensnotwendige Warnfunktion. Akuter Schmerz begleitet Verletzungen und Krankheitsprozesse und ist zeitlich begrenzt. Im Gegensatz zum chronischen Schmerz kann beim akuten Schmerz in der Regel eine physiologische Schmerzursache benannt werden. Die chronische Schmerzkrankheit entsteht, wenn der Schmerz seine eigentliche Funktion als Warnsignal verloren hat und sich zu einem eigenständigen Krankheitsbild entwickelt. Zu körperlichen Beschwerden kommen dann oft psychische und soziale Probleme hinzu, die den Alltag und das Berufsleben massiv beeinträchtigen. Jede Altersgruppe kann betroffen sein. Am stärksten trifft es laut Statistik Personen im Alter von 41 bis 70 Jahren, am häufigsten den Stütz- und Bewegungsapparat, gefolgt von Kopf- und Nervenschmerzen, sowie Schmerzen als Folge von Krebserkrankungen. 43 Prozent der 41- bis 50-jährigen werden krankheitsbedingt berufsunfähig und gehen in Frühpension. Ein Drittel aller Berufsunfähigkeitspensionen werden von Patienten mit chronischen Schmerzen beantragt. 9,10

*Demographische Daten:
  • 320 TeilnehmerInnen
  • 39 % Männer, 61 % Frauen
  • Durchführungszeitraum: September 2018


    Quellen:

    1. https://www.schmerz-allianz.at/schmerz-fakten/schmerzarten/ (Zugriff am 22.07.2019)
    2. https://www.spektrum.de/frage/naklar-spueren-frauen-schmerzen-staerker-als-maenner/1258486 (Zugriff am 22.07.2019)
    3. https://www.change-pain.at/grt-change-pain-portal/change_pain_home/acute_pain/pain_basics/definition_of_pain/pain_is.../de_AT/323700042.jsp (Zugriff am 22.07.2019)
    4. https://www.schmerzhilfe.de/schmerzgedaechtnis/ (Zugriff am 22.07.2019)
    5. https://www.schmerz-allianz.at/schmerz-fakten/schmerzarten/ (Zugriff am 22.07.2019)
    6. https://www.schmerz-allianz.at/schmerz-fakten/schmerzbehandlung (Zugriff am 22.07.2019)
    7. http://www.medizinauskunft.de/artikel/familie/senioren/25_09_altersschmerz.php (Zugriff am 22.07.2019)
    8. https://www.schmerz-allianz.at/schmerz-fakten/chronischer-schmerz/ (Zugriff am 22.07.2019)
    9. https://www.schmerz-allianz.at/schmerz-fakten/schmerzarten/ (Zugriff am 22.07.2019)
    10. https://www.schmerz-allianz.at/schmerz-fakten/chronischer-schmerz/ (Zugriff am 22.07.2019)

     

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