Koffein – der Turbo in der Kopfschmerztherapie

Koffein – der Turbo in der Kopfschmerztherapie 

Für viele ist der Koffein-Kick am Morgen oder Nachmittag aus dem (Büro-)Alltag nicht wegzudenken. Wer bei Koffein automatisch an Kaffee denkt, liegt richtig – und auch wieder falsch. Denn der stimulierende Stoff steckt nicht nur in wesentlich mehr Nahrungs- und Genussmitteln als dem morgendlichen Wachmacher, sondern ist auch als Arzneimittelwirkstoff von großer Bedeutung: Koffein ist die weltweit am häufigsten konsumierte pharmakologisch aktive Substanz und immer wieder im Fokus der Forschung. Doch was macht Koffein so interessant?

Vor allem die Tatsache, dass es die Wirkung von Schmerzmitteln verstärken kann. Und das gilt insbesondere im Bereich Kopfschmerzen, unter denen laut einer Umfrage (1) der Österreichischen Schmerzgesellschaft viele Österreicher leiden. Demnach haben mehr als 56 Prozent der Befragten episodische Kopfschmerzen (weniger als 15 Kopfschmerz-Tage pro Monat), bei rund 38 Prozent gelten die Schmerzen als chronisch. Um schnell wieder schmerzfrei zu werden, setzen viele auf rezeptfreie Analgetika. Zu den Medikamenten mit klinisch belegter Wirksamkeit bei Kopfschmerzen gehören auch koffeinhaltige Schmerzmittel z. B. mit ASS, Paracetamol und Ibuprofen. Und die punkten mit einer deutlich besseren Wirksamkeit als ihre entsprechenden Einzelwirkstoffe,(2, 3) bei guter Verträglichkeit und überzeugender Sicherheit. Verantwortlich dafür ist der wirkverstärkende und -beschleunigende Effekt, den Koffein auf Analgetika hat. (4)

Schmerzmittel mit Koffein helfen schneller 

Wie sich gezeigt hat, wirken Koffein-Schmerzmittel-Kombinationen mit Acetylsalicylsäure (ASS) und Paracetamol 15 Minuten schneller als ihre Einzelwirkstoffe ASS und Paracetamol. (2) Koffein beschleunigt die Schmerzmittelwirkung, indem es Rezeptoren in der Schmerzkaskade blockiert. (5)  Außerdem sorgt es dafür, dass Schmerzmittelwirkstoffe unter Alltagsbedingungen – das heißt: auf nicht-nüchternen Magen – schneller aufgenommen werden (6) und schafft damit die Voraussetzung für einen schnellen Wirkeintritt. Dieser wirkbeschleunigende Effekt von Koffein zeigt sich auch für Ibuprofen. Bereits 15 Minuten nach der Einnahme ist die Kombination aus Koffein und Ibuprofen ihrem Einzelwirkstoff Ibuprofen deutlich überlegen. (3)

Koffein verstärkt die Wirkung von Schmerzmitteln 

Darüber hinaus verstärkt Koffein die Wirkung von Schmerzmitteln wie Acetylsalicylsäure (2), Paracetamol (2) und Ibuprofen. (7) So lässt sich durch den Zusatz von 100 mg medizinischem Koffein zu einem Analgetikum ein zusätzlicher schmerzlindernder Effekt erreichen, (4) der annähernd einer Verdopplung der Schmerzmitteldosis entspricht. (8) Auch für Ibuprofen ist diese Wirkverstärkung belegt: Durch den Zusatz von 100 mg Koffein zu 400 mg Ibuprofen ist diese Kombination ihrem Einzelwirkstoff Ibuprofen hinsichtlich der Schmerzlinderung um 40 Prozent überlegen – der Unterschied ist bereits nach 15 Minuten signifikant, bei vergleichbar guter Verträglichkeit. (3)

Koffein hilft bei der Parkinson-Diagnose 

Dass Koffein einen nervenschützenden Effekt hat und damit dem parkinsontypischen Niedergang der Gehirnzellen entgegenwirkt, haben frühere Untersuchungen bereits gezeigt. Neu ist die Erkenntnis, dass der Koffeinspiegel im Blut auch Auskunft darüber geben kann, ob jemand an Parkinson erkrankt ist. Wie eine Studie jetzt nachweisen konnte, finden sich bei Parkinsonpatienten – und hier besonders in frühen Krankheitsstadien – deutlich niedrigere Werte von Koffein und seinen Stoffwechselprodukten im Blutserum als bei Gesunden. Damit eignet sich Koffein als Biomarker zur frühen Diagnose von Morbus Parkinson.

Quelle: Fujimaki M et al. Serum caffeine and metabolites are reliable biomarkers of early Parkinson disease. Neurology 2018, 90(5): e404–e411

Koffein erhöht die Muskelkraft  

 

Viele Sportler vertrauen darauf, dass Koffein ihren Muskeln einen zusätzlichen Kraft- und Leistungskick gibt. Aber stimmt das wirklich? Da bisherige Studien keine eindeutigen Ergebnisse erbringen konnten, hat sich eine Metaanalyse dieser Fragestellung angenommen. Dafür wurden die Ergebnisse von 20 Untersuchungen ausgewertet. Es zeigten sich leichte bis mittlere leistungssteigernde Effekte durch das Koffein. Dabei überraschte die Feststellung, dass die Kraft im Oberkörper deutlich zunahm, in der unteren Körperhälfte aber nicht, was aber möglicherweise mit der Auswahl der Test-Übungen der ausgewerteten Studien zusammenhing und weiter unter-sucht werden sollte, so die Studienautoren. Außerdem lieferten die Untersuchungen nur wenige Daten zu Frauen, weshalb hier ebenfalls noch Forschungsbedarf besteht.

 Quelle: Grgic J et al. Effects of caffeine intake on muscle strength and power: a systematic review and meta-analysis. J Int Soc Sports Nutr. 2018; 15:11

 Quellen

(1) Studie zu Kopfschmerz in Österreich: Belastung durch viele „verlorene Tage“, Prophylaxe und Therapie bleiben hinter den Möglichkeiten zurück, Pressemitteilung zu den 15. Österreichischen Schmerzwochen der Österreichischen Schmerzgesellschaft, vom 20. Jänner 2016
(2) Diener HC et al. The fixed combination of acetylsalicylic acid, paracetamol and caffeine is more effective than single substances and dual combination for the treatment of headache: a multicentre, randomized, double-blind, single-dose, placebo-controlled parallel group study. Cephalalgia 2005; 25: 776–787
(3) Weiser T et al. Efficacy and safety of a fixed-dose combination of ibuprofen and caffeine in the management of moderate to severe dental pain after third molar extraction. Eur J Pain 2018; 22: 28–38; z. T. unveröffentlichte Daten aus internem Studienbericht
(4) Derry CJ et al. Caffeine as an analgesic adjuvant for acute pain in adults. Cochrane Database Syst Rev 2012; 3: CD009281
(5) Fried NT et al. The role of adenosine signaling in headache: a review. Brain Sci 2017; 7: 30
(6) Weiser T et al. Impact of fasted or fed conditions on pharmacokinetic (PK) profile of ibuprofen (IBU) from a fixed dose combination IBU/caffeine (400/100 mg; FDC) in comparison to 400 mg IBU as acid or lysinate:  Data from 2 single dose, randomized crossover studies in healthy subjects. Naunyn-Schmiedeb Arch Pharm 2018; 1 Supp: S43
(7) Lipton RB et al. Caffeine in the management of patients with headache. J Headache Pain 2017; 18: 107
(8) Petersen KU. Koffein in Schmerzmitteln: Mär oder Medizin? MMW Fortschr Med 2013; 155 Suppl 7: 109–114

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