#DIDAYS20. Zukunftsmedizin: Wie sich das Gesundheitssystem verändert

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Wolfgang Kaps,
General Manager Sanofi Österreich
#DIDAYS20. Zukunftsmedizin: Wie sich das Gesundheitssystem verändert

In der Gesundheitsversorgung bleibt momentan kein Stein auf dem anderen. Die Vision: eine individuell auf den Patienten zugeschnittene Gesamtlösung. Der Weg von den Blockbuster-Medikamenten hin zu dieser personalisierten Medizin führt über die sogenannten 5 D: eine exakte Diagnose, ein individuelles Arzneimittel (Drug), die entsprechende Applikationshilfe für das Medikament (Device), Daten und die alles übergreifende Digitalisierung. 

Für Pharmaunternehmen eröffnet diese Vision neue Geschäftsmodelle: Diese gehen weit über die Arzneimittelforschung und -herstellung hinaus und umfassen die Entwicklung von Apps sowie ganzheitliche Versorgungsprogramme. Wie sieht das in der Praxis aus?

Computer statt Praxisbesuch

Digitalisierung und künstliche Intelligenz (KI) spielen beim Support von Patienten eine immer bedeutendere Rolle. Ein schon etabliertes Beispiel aus der Praxis ist die Diagnose-App Symptoma. Über sie können Patienten digital mithilfe von Chatbots ihre Krankheitssymptome erfassen und durch den Vergleich mit tausenden Datensätzen auswerten lassen. Ein weiteres Beispiel ist die virtuelle Diabetesklinik Onduo. Die Plattform unterstützt Menschen mit Diabetes rund um die Uhr durch Geräte, Software, Medizin und professionelle Beratung beim alltäglichen Management ihrer Krankheit. Solche und andere digitale Dienste eröffnen Patienten einerseits einen multidimensionalen Zugang zur Gesundheitsversorgung und entlasten andererseits das stark beanspruchte Gesundheitssystem. 

Das individuelle Medikament

In der medizinischen Forschung gelingt es, durch KI und maschinelles Lernen eine für den menschlichen Verstand nicht fassbare Datenmenge innerhalb kürzester Zeit zu filtern und zu analysieren. Dadurch wird Hyperpersonalisierung, also ein exakt auf ein Individuum zugeschnittenes Medikament, möglich und in weiterer Folge auch leistbar. In der Krebstherapie konnte KI die Kosten für die Entschlüsselung des Genoms innerhalb eines Jahrzehnts von rund einer Million Euro auf einige hundert Euro reduzieren. KI erleichtert und beschleunigt nicht nur die Suche nach neuen Wirkstoffen für Medikamente. Sie hilft auch, bei bereits zugelassenen Arzneimitteln aus einer enormen Datenmenge die Neben- und Wechselwirkungen zu erfassen. 

Datenschatz in der Gesundheitsakte

In Österreich verfügen wir durch die elektronische Gesundheitsakte Elga bereits über ein gigantisches Pool an validen Gesundheitsdaten. Führt man diese mit anderen – zum Beispiel soziologischen oder geologischen – Parametern zusammen und wertet die Daten gemeinsam aus, könnte man dadurch ein strukturiertes Wissen über die Verteilung bestimmter Erkrankungen generieren und eine hervorragende Basis schaffen, um entsprechende gesundheitspolitische Maßnahmen zu treffen. Die Auswertung der Daten könnten durch universitäre Stellen und selbstverständlich basierend auf Einhaltung aller Datenschutzbestimmungen erfolgen.

Arzneimittelproduktion der Zukunft

Auch die Produktion von Arzneimitteln wird durch die Digitalisierung revolutioniert. In der modernen Arzneimittelherstellung werden vollautomatisierte Prozesse und Roboter von einer zentralen Kommunikationsanlage gesteuert. Die Lagerhaltung übernimmt ein Computer. Bei all diesen Digitalisierungsmaßnahmen darf jedoch die Bedeutung des Menschen nicht vergessen werden. Um eine qualitätsvolle und vor allem sichere Technik zu gewährleisten, bedarf es immer einer menschlichen Kontrolle.

Herausforderungen: Sicherheit und Inklusion

Ungeachtet der Vorteile einer digitalisierten Gesundheitsversorgung sind mit ihr auch nicht zu unterschätzende Risiken verbunden. Einerseits gilt es, die Qualität der Medikamente und die Sicherheit der Patienten zu gewährleisten. Europa kann diese Anforderungen dank der hier geltenden strengen gesetzlichen Vorgaben erfüllen. In Hinblick auf die drohende Konkurrenz durch große internationale Technologiekonzerne wie Amazon und Co ist es deshalb wichtig, Europa als modernen Arzneimittelproduktionsstandort zu stärken.

Die zweite große Herausforderung ist gesellschaftlicher Natur: Alle Menschen müssen bei der Digitalisierung mitgenommen werden. Wir müssen durch flächendeckende Bildungsmaßnahmen sicherstellen, dass alle Patienten die digitalisierte Gesundheitsversorgung verstehen und ihre Vorteile nützen können.