Wie die Technologie alles verändert


Wolfgang Kaps,
General Manager Sanofi Österreich

Wie hängen die Reduktion von Flugmeilen, ein sinkender Bedarf an Büroflächen und das psychische Wohlergehen der Belegschaft zusammen? Sie alle werden durch die Anwendung neuer Technologien extrem beeinflusst. Die verstärkte Nutzung digitaler Plattformen aufgrund der Pandemie hat nämlich nicht nur die Arbeitswelt radikal verändert. Sie hat darüber hinaus weitreichende Folgen für viele Lebensbereiche und hat zu einem generellen Bewusstseinswandel und einer Veränderung unserer Gewohnheiten geführt:

  1. Anstelle von persönlichen Treffen finden digitale Treffen statt. Die Digitalisierung erleichtert die Erreichbarkeit und Verfügbarkeit. Die Koordination von internationalen Besprechungen oder Konferenzen wird unkomplizierter, weil sie von den Beteiligten keine langen Flugreisen und Auslandsaufenthalte mehr erfordert. Das wiederum reduziert den CO2-Ausstoß und wirkt sich positiv auf die Umwelt aus.
  2. Flexibilität ist eine notwendige Voraussetzung, um die zukünftigen Herausforderungen – sowohl beruflicher als auch privater Natur – zu bewältigen. Diese Flexibilität verändert auch das Familienleben und bisherige Rollenbilder.
  3. Ortsungebundenheit und Flexibilität ersetzen starre Strukturen und Gepflogenheiten. Das wiederum ermöglicht vielen Menschen einen besseren Zugang zur Berufstätigkeit, der ihnen bislang verwehrt war. So spielen flexible Arbeitsmodelle oft Menschen mit Betreuungspflichten in die Hand, da sie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie erheblich erleichtern.
  4. Das Vertrauen in Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wird zu einer entscheidenden Voraussetzung für funktionierende innovative Arbeitsmodelle.
  5. Technologischer Fortschritt ermöglicht Zusammenarbeit über Strukturen und Grenzen hinweg und eröffnet dadurch ein enormes Potenzial. Diejenigen, die es schaffen, über den Tellerrand zu blicken und Kooperationen zu nutzen, werden profitieren.

Auswirkungen auf die Strukturen

Die direkten und indirekten Auswirkungen des technologischen Fortschritts auf die Arbeit sind besonders einschneidend und sowohl struktureller als auch inhaltlicher Natur. Wir erleben, wie der Einsatz moderner Technologien ganze Berufsbilder verändert und neue Berufe und Geschäftsfelder entstehen lässt. Bisherige Infrastrukturen werden durch die zunehmend digitale Arbeitsweise infrage gestellt: Weil Menschen immer mehr ortsunabhängig arbeiten, wird der Bedarf an Büroflächen in Zukunft abnehmen, was sich letztlich auch in der Stadtentwicklung widerspiegeln wird. Auf der anderen Seite erfordert die Verlagerung der beruflichen Tätigkeit ins Homeoffice, dass Unternehmen ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht nur eine entsprechende technische Ausrüstung – von Laptops bis zu leistungsfähigem Internet – zur Verfügung stellen. Sie müssen auch sichergehen, dass Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über ein Umfeld und Verhältnisse verfügen, welche es ihnen ermöglichen, ihre Arbeit produktiv und ungestört auszuüben. Auch im HR-Bereich hat die Technologie zu großen Veränderungen geführt und viele Prozesse wie das Recruiting sowie Onboarding digitalisiert.


Wolfang Kaps am Podium der Internationalen Digitalkonferenz Darwin’s Circle


Psychische Gesundheit rückt ins Zentrum

Zu diesen strukturellen Veränderungen gesellen sich neue inhaltliche Anforderungen in der Arbeit. Die psychische Gesundheit von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern als wesentliche Voraussetzung für die Berufsausübung rückt immer mehr ins Zentrum. Während das Thema bislang eher tabuisiert wurde, wird es nun von Unternehmen proaktiv adressiert. Die Reduktion des persönlichen sozialen Kontakts und die Verschiebung des Arbeitslebens ins Homeoffice stellen für viele Menschen große psychische Belastungen dar. In dem Zusammenhang ergeben sich auch neue Anforderungen an die sozialen Fähigkeiten von Führungskräften: Sie müssen die individuellen Probleme ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erkennen, ernst nehmen und Lösungen anbieten. Darüber hinaus müssen sie Wege finden, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer im Homeoffice nicht zu verlieren und die Verbundenheit mit dem Unternehmen zu fördern.


Regeln für die neue Arbeitsweise

Diese Aufgaben werden durch die räumliche Distanzierung zwischen Unternehmen und Belegschaft erheblich erschwert. Unter diesen Umständen sind Transparenz und Überkommunikation wichtiger denn je. Trotz aller Flexibilität gilt es auch, Spielregeln für die neuen Arbeitsmodelle festzulegen. So kann vor allem die ständige Erreichbarkeit Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter stark unter Druck setzen, weshalb es sinnvoll ist, diesbezüglich Vorgaben zu machen. Weitere inhaltliche Herausforderungen sind der Umgang mit der digitalen Informationsflut, insbesondere mit Falschinformationen, sowie mit Datenschutz und Cyberkriminalität.


Warum Menschlichkeit unersetzlich bleibt

Es wäre ein Trugschluss, zu denken, dass die Technologien die Menschlichkeit ersetzen. Angesichts all der Herausforderungen spielen menschliche Expertise und das Verständnis der komplexen Zusammenhänge eine entscheidende Rolle dabei, den technologischen Fortschritt zu nutzen und allen zugänglich zu machen. Wir sollten Technologien daher als Enabler und Unterstützung für die Bewältigung der Zukunft und nicht als Bedrohung ansehen. Viele Potenziale und Auswirkungen sind heute noch nicht abschätzbar. Wir sind gefordert, weiter über bisherige Lösungen und Errungenschaften hinaus zu denken. Als besonders förderlich erweisen sich dabei diverse und multidisziplinäre Perspektiven. Unternehmen, die auf Diversität setzen, werden es leichter haben, flexibel und nachhaltig auf die Herausforderungen der Zukunft zu reagieren und erfolgreich zu sein.