Schadstoffe als unterschätzte Gesundheitsgefahr

Gerald Brtnik
Gerald Brtnik,
Country Quality Head Austria

Flammschutzmittel, Plastik, Pestizide – das ist nur ein kleiner Auszug der Schadstoffe, die Studien im menschlichen Körper nachweisen konnten.1 Wir nehmen gesundheitsschädliche Substanzen über die Luft, Wasser, Lebensmittel oder andere Produkte auf. Eine Reduktion der von uns selbst verursachten Umweltverschmutzung hat somit auch positive Effekte für unsere eigene Gesundheit.

Chemikalien in Blut, Harn und Gewebe

Die Belastung der Bevölkerung durch Schadstoffe ist konkret messbar: Human Biomonitoring erfasst die chemischen Substanzen und deren biologische Auswirkungen in Blut, Harn und Gewebe. Die Daten erlauben auch Rückschlüsse darauf, wie effektiv konkrete Maßnahmen – etwa Verbote oder Grenzwerte für bestimmte Schadstoffe – sind und bilden deshalb eine gute Grundlage zur Steuerung umwelt- und gesundheitspolitischer Maßnahmen.

Großer Aufklärungsbedarf

Durch den Green Deal der EU, der auf eine nachhaltige Wirtschaft abzielt, hat der Umweltschutz zwar erheblich an Bedeutung gewonnen. Es gibt aber noch immer zu wenig Bewusstsein darüber, wie wichtig eine saubere Umwelt auch für unsere Gesundheit ist. Es bedarf daher noch Aufklärungs- und Informationsarbeit, um aufzuzeigen, dass die Reduktion der Umweltverschmutzung nachweislich einen positiven Einfluss auf die menschliche Gesundheit hat.

Veränderung von umweltschädigendem Verhalten

Diese Bewusstseinsbildung ist jedoch nur ein erster Schritt. Der zweite ist, selbst aktiv zu werden und zu handeln. Dass unser Lebensstil und das Wirtschaften ökologische Spuren hinterlassen, ist zwar nicht vermeidbar. Durch achtsames Verhalten können wir aber umwelt- und in weiterer Folge gesundheitsschädliche Auswirkungen erheblich reduzieren. Das beginnt beim überlegten, nachhaltigen Konsum und endet beim Verzicht auf nicht unbedingt erforderliche Dienstreisen.

Unternehmen in der Pflicht

Dabei trifft die Verantwortung für eine saubere Umwelt die Politik gleichermaßen wie die Wirtschaft und jede/n Einzelne/n. Auch in Unternehmen hat die Bedeutung von Umweltschutz in den vergangenen Jahren zugenommen. Einerseits gibt es hier gesetzliche Vorgaben. Andererseits ist es teuer, umweltschädigend zu agieren, weil Umwelt- und Klimarisiko von der Finanzindustrie als große Risiken bewertet werden. Dabei reicht es längst nicht mehr aus, eine/n CSR-Beauftragte/n zu bestellen. Vielmehr bedarf es eines umfassenden Mindshifts im Unternehmen und der Einbettung umweltrelevanter Ziele und Maßnahmen in die Unternehmensstrategie und -kultur.

Sanofi begrenzt Umweltauswirkungen

Um seinen Einfluss auf die Umwelt zu analysieren und in Folge zu begrenzen, hat Sanofi die Konzerninitiative „Planet Mobilization“ ins Leben gerufen. Diese legt Umweltziele fest und umfasst Maßnahmen

  • zur Reduktion von Treibhausgasemissionen,
  • zur Begrenzung umweltschädlicher Auswirkungen von Arzneimitteln,
  • für einen verantwortungsvollen Umgang mit Wasser,
  • für eine nachhaltige Abfallwirtschaft und
  • zur Förderung der Artenvielfalt.
Reduktion, Recycling und Wiederverwendung

Einen wesentlichen Beitrag zur Zielerreichung leisten dabei die Reduktion, das Recycling und die Wiederverwendung von Materialien. Allein damit will Sanofi bis 2025 mehr als 90 Prozent seines Industriemülls einsparen. Eine branchenspezifische Herausforderung stellen die Rückstände pharmazeutischer Produkte dar. Diese können auf unterschiedliche Weise in die Umwelt, vor allem ins Wasser gelangen: in der Arzneimittelproduktion, beim Ausscheiden von Medikamenten durch Patient*innen oder durch nicht ordnungsgemäße Entsorgung.

Sorgsamer Umgang mit Medikamenten

Laut der Weltgesundheitsorganisation ist die geringe Menge an pharmazeutischen Rückständen im Trinkwasser zwar gesundheitlich unbedenklich.2 Nichtsdestotrotz müssen wir alles dafür tun, um jegliche Beeinträchtigung der Umwelt und der menschlichen Gesundheit zu vermeiden. Dazu braucht es einerseits höchste Standards in der Produktion, die sicherstellen, dass keine Arzneimittelrückstände ins Abwasser fließen können. Andererseits müssen Patient*innen über die richtige Entsorgung von Arzneimitteln und über die Folgen von unsachgemäßer Entsorgung informiert werden.

Fazit

Erst wenn das Wissen in der Bevölkerung über den Einfluss der Umwelt auf die eigene Gesundheit wächst, kann sie auch in die Pflicht genommen werden und ihren Beitrag leisten. Dann wird eine gemeinsame Anstrengung der Gesellschaft, der Wirtschaft und der Politik nicht nur zu einem gesunden Planeten, sondern auch zu gesunden Lebewesen führen.


  1. Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie: Human Biomonitoring in Österreich/Bericht über die Fortschritte, Erkenntnisse und Tätigkeiten des Beratungsgremiums „Human Biomonitoring“, 2019.
  2. World Health Organization: Pharmaceuticals in Drinking-Water, 2012, online unter: https://apps.who.int/iris/bitstream/handle/10665/44630/9789241502085_eng.pdf.

Dieser Blog entstand im Zuge der Podcast-Reihe „OneHealth“ in Kooperation mit Darwin’s Circle. Den Podcast können Sie HIER nachhören.

Juni 2021

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