Gesundheit von Mitarbeiter*innen erreicht eine neue Dimension

Anita Widmann
Anita Widmann,
Head of Human Resources

Die große künftige Herausforderung für Arbeitgeber*innen ist, die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben zu gewährleisten. Diese Vereinbarkeit hat eine zunehmende Bedeutung für die Gesundheit der Mitarbeiter*innen. Durch die Pandemie ist sie noch stärker in den Fokus gerückt.

Grenzen zwischen Beruf und Privatem verschwimmen

Wer hat es im vergangenen Jahr nicht erlebt? Die Arbeit vom Wohnzimmer oder der Küche aus hat sich mit Haushalts- und Betreuungspflichten zu einem riesigen Berg aus Belastungen vermischt. Pausen und Freizeit sind schwierig einzuplanen beziehungsweise einzuhalten –theoretisch könnte man ja rund um die Uhr arbeiten. Hinzu kommt, dass es die eigene Wohnsituation oder anwesende Familienmitglieder nicht immer zulassen, ungestört den beruflichen Aufgaben nachzugehen. Das kann sich in einem unergonomischen Arbeitsplatz oder in Unterbrechungen durch die Kinder äußern. Auch der Wegfall der persönlichen Beziehungen zu Arbeitskolleg*innen darf nicht unterschätzt werden; denn ein gutes soziales Gefüge am Arbeitsplatz kann psychischen Erkrankungen vorbeugen. Die neue, orts- und zeitunabhängige Form des Arbeitens, die Covid-19 vorangetrieben hat, bringt also nicht nur Vorteile mit sich. Sie birgt auch Risiken – unter anderem mit gesundheitlichen Folgen. Unternehmen müssen diese Risiken erkennen und ihre Mitarbeiter*innen entsprechend schützen.

Zusatzversicherungen, Check-ups und Prävention

Längst reicht es für betriebliches Gesundheitsmanagement nicht mehr aus, Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten abzuwenden. Dieses kurzsichtige Ziel muss durch ein holistisches Verständnis von Gesundheit und ein umfassendes Angebot erweitert werden. Dazu zählen etwa die Möglichkeit, über die/den Arbeitgeber*in eine zusätzliche Krankenversicherung abzuschließen oder betriebliche Gesundenuntersuchungen und andere medizinische Check-ups in Anspruch zu nehmen. Ebenso wichtig ist ein Angebot an präventiven Maßnahmen wie Fitnesskurse oder Vorträge, um die persönlichen Ressourcen zu stärken. Schließlich ist Prävention nachhaltiger, weniger invasiv und in Summe günstiger als die Therapie bestehender Gesundheitsprobleme. Doch auch Rehabilitation und Wiedereingliederung sind Themen, die Unternehmen im betrieblichen Gesundheitsmanagement verstärkt mitbedenken müssen.

Zeit für die Gesundheit

Das beste Angebot bringt jedoch nichts, wenn die Rahmenbedingungen es den Mitarbeiter*innen unmöglich machen, es zu nutzen. Es geht darum, ein Arbeitsumfeld zu schaffen, das Mitarbeiter*innen dazu ermächtigt und ermutigt, ihre Gesundheit zu fördern. Dazu braucht es einerseits arbeitszeitliche Regelungen: Im Home-Office verschwimmen die Grenzen zwischen Beruf und Privatem. Es existiert keine örtliche Trennung zwischen Arbeit und zu Hause, man befindet sich quasi ständig am Arbeitsort mit der Option, ständig zu arbeiten. Das kann zu Überarbeitung und Überforderung führen. Bei aller Flexibilität sollten Arbeitgeber*innen deshalb einen Rahmen für Arbeitszeiten beziehungsweise Erreichbarkeiten sowie Pausen oder meetingfreie Zeiten vorgeben. Sanofi Österreich hat deshalb gleichzeitig mit der Umsetzung seines höchstflexiblen Arbeitsmodells eine virtuelle Meetingkultur eingeführt: Die Mitarbeiter*innen können ihre Arbeit zwar in einem sehr breiten Zeitfenster zwischen sechs und 22 Uhr erledigen, vor neun Uhr früh, zwischen zwölf und 13 Uhr sowie nach 17 Uhr dürfen jedoch keine Meetings anberaumt werden.

Gesundheit als Wert in der Unternehmenskultur

Neben den arbeitszeitlichen Regelungen braucht es eine Unternehmenskultur, die die Gesundheit ernst und wichtig nimmt. Führungskräfte spielen hier eine wesentliche Rolle: Sie haben nicht nur Vorbildfunktion, sie sind auch gefordert, die individuellen gesundheitlichen Probleme und Herausforderungen ihrer Mitarbeiter*innen zu erkennen und sie bei deren Bewältigung zu unterstützen. Vor allem in einer zunehmend flexiblen und remoten Arbeitswelt ist diese Aufgabe keine einfache und verlangt den Führungskräften besondere soziale Kompetenzen ab. Arbeitgeber*innen müssen ihnen Schulungen und Möglichkeiten der Weiterbildung in diesem Bereich bieten.

Gesundheitsvorsorge als Wettbewerbsvorteil

Diese neue Dimension des betrieblichen Gesundheitsmanagements reicht über das bisherige Verständnis von Sicherheit und Gesundheitsschutz in Unternehmen hinaus. Arbeitgeber*innen sollten sie jedoch nicht als lästige Verpflichtung, sondern als Teil einer Win-win-Situation sehen. Schließlich ist die Belegschaft zugleich die wichtigste und kostenintensivste Ressource eines Unternehmens. Es zahlt sich also – nicht nur im übertragenen Sinn – aus, in deren körperliches und psychisches Wohlergehen zu investieren. Darüber hinaus können Betriebe durch ihr Engagement im Bereich der Mitarbeitergesundheit ihre Attraktivität für potenzielle Bewerber*innen steigern und sich somit einen Wettbewerbsvorteil im Kampf um die besten Köpfe sichern.

Dieser Blog entstand im Zuge der Podcast-Reihe „OneHealth“ in Kooperation mit Darwin’s Circle. Den Podcast können Sie HIER nachhören.

Juni 2021

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Portrait: Katharina Schiffl